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Digitaler Adentskalender

Die Kirchengemeinden Oberstein, Nahbollenbach und Baumholder haben einen digitalen Adventskalender erstellt.

Jeden Tag werden Sie mit besinnlichen Andachten, Adventsmusik, Rezepten und vieles mehr überrascht!

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Digitaler Adventskalender

Leben in Krisenzeiten

Ich lese in den vergangenen Wochen immer wieder von „der größten Krise seit dem zweiten Weltkrieg“. Wir haben wohl einfach Glück gehabt! Krisen gibt es solange es Menschen gibt. Allein im 20. Jahrhundert gab es zwei Weltkriege mit Millionen Toten und Vertriebenen, dazu den Naziterror bzw. die SED-Diktatur. Im 19. Jh. gab es ebenfalls Kriege, vor allem mit Frankreich. Dazu große Auswanderungswellen, weil die Nahrung bei uns nicht für alle gereicht hat. Ebenso erging es den Menschen in den Jahrhunderten davor. Es gab verheerende Seuchen im Mittelalter. „Quarantäne“ kommt von dem italienischen Wort „Quaranta“ für 40. Fast 6 Wochen, genau 40 Tage, mussten die Kaufleute nach ihren Touren auf dem Schiff im Hafen bleiben, um die Pest nicht weiterzuverbreiten. Und nicht (wahrscheinlich als lang empfundene) 10-14 Tage zuhause.
Ich war vor kurzem in einem Benediktinerkloster. Dort haben die Mönche auf ihren Gründervater Benedikt verwiesen. Er hat von 480 bis 547 gelebt. Während die erste Zeit seines Lebens äußerlich relativ friedlich verlief, sind die letzten beiden Jahrzehnte von großen Krisen geprägt gewesen. Im Jahr 536 zeigte sich die Sonne praktisch ein ganzes Jahr nicht, wohl infolge großer Vulkanausbrüche. Mit verheerenden Hungersnöten. Und während der Regierungszeit Justinians 541-542 müssen infolge von Seuchen 30-50 Millionen Menschen gestorben sein, also ungefähr die Hälfte der damaligen Bevölkerung. Wie ist Benedikt damit klargekommen? Wie sind die Menschen damit klargekommen? Wir können aus den Regeln Benedikts folgendes ablesen:
1. Es soll im Kloster sauber sein! Die Hygiene muss eingehalten werden, soweit sie damals möglich war.
2. Die Güter sollen geteilt werden! In schwierigen Zeiten gilt es besonders zusammenzustehen! („Keine Hamsterkäufe“)
3. Die Kranken sollen besonders gepflegt werden. Sie können ausnahmsweise in Einzelzellen verlegt werden. Wegen der Ruhe. Und natürlich wegen der geringeren Ansteckung!

4. Die Mönche sollen sich klar machen, dass sie nicht ewig leben. Das gehört zur inneren Ordnung dazu. Das Leben in der Gewissheit, dass wir Kinder Gottes sind. Sterbewesen, denen die Ewigkeit ins Herz gelegt ist.
Die Richtung ist also ganz ähnlich wie bei uns heute.
Das heißt für mich: Lasst uns nicht den Maßstab verlieren in dieser sicher veränderten Situation. Die manche hart trifft! Lasst uns Vorsicht walten und den Zusammenhalt nicht verlieren. Im Gegenteil: Die Pandemie führt uns vor Augen, wie sehr wir miteinander verbunden und aufeinander angewiesen sind.

Burkard Zill

Aktuelle "Lage"

Liebe Gemeinde,

die neue Vikarin Dorothea Schmidt hat die Andacht geschrieben. Das habe ich zwar gespart. Aber nun sitze ich am Schreibtisch und muss etwas tun, was ich eigentlich gar nicht kann: Schreiben wie es in der Kirchengemeinde weitergeht. Der Lockdown für November ist gerade beschlossen. Was das für Dezember heißt, weiß kein Mensch.
Zunächst haben wir schweren Herzens die Tafel geschlossen. In den Räumlichkeiten kann kein Mindestabstand eingehalten werden. Und manche von den Kunden haben sich bisher ziemlich undiszipliniert gezeigt. Auch das Café International muss geschlossen werden. Die Gruppen und Kreise können nicht mehr zusammenkommen. Wenigstens der Konfirmandenunterricht vor Ort kann bis auf Weiteres stattfinden. Auch das Jugendzentrum öffnet mit verschärften Regeln. Es dauert seine Zeit bis alle neuen Ordnungen gelesen, verstanden und bei Undeutlichkeiten entsprechend ausgelegt sind. Das halte ich für völlig normal.
Viel schwerer tun wir uns mit den Gottesdiensten! Wir dürften Gottesdienste halten. Aber mit der 10 m²-Regel pro Person. Deshalb können in Baumholder nur 20 Personen in die Kirche. Und in Ruschberg 10. Pfarrer, Organistin und Küsterin schon herausgerechnet. Wir sind aber angehalten nur wirklich notwendige Dinge mit Sozialkontakt zu tun. Wir halten unsere Gottesdienste für wichtig. Aber sollen wir gerade unsere älteren Gemeindeglieder in Gefahr bringen, die besonders schutzbedürftig sind? Also haben wir die Presbyterverabschiedung und -einführung am Reformationstag abgesagt. Es hätte außer den Beteiligten sonst niemand dabei sein können. Totensonntag wollten wir eigentlich auf dem Friedhof begehen. Aber geht das? Bei Beerdigungen dürfen nur der/die Partnerin sowie Verwandte ersten und zweiten Grades mit Partner teilnehmen. Und eine Familie zusätzlich. Also geht im Grunde kein Gottesdienst auf dem Friedhof. Selbst wenn man das mit ein wenig Trickserei vielleicht durchsetzen könnte, gewollt ist das sicher nicht! Also werden wir wohl auf das Internet ausweichen müssen. Und abwarten, gerade Richtung Weihnachten. Wie gewohnt geht es sicher nicht! Kurzfristige Entscheidungen finden Sie auf unserer Homepage www.evangelische-kirche-baumholder.de
Wir sind froh, dass wir die Konfirmationen Anfang September noch in kleineren Gruppen feiern konnten. Es war kein ganz leichter Prozess, eine Entscheidung mit allen Beteiligten zu finden. Es hat sich aber gezeigt: Auch die Eltern, die sich vorher kritisch geäußert haben zu Kleingruppenkonfirmationen, waren nach eigenem Bekunden sehr angetan. Ich habe den Rückmeldungen entnommen, dass es als sehr schön empfunden wurde, kleiner zu feiern. Es war viel ruhiger in der Kirche. Das Programm war zusammengeschrumpft. Abendmahl ging ja auch nicht. Das ist für mich ein Fingerzeig: Die schwierigen Umstände, die sich keiner wünscht, bringen manche Entwicklungen auch in Gang. Oder sie können Dinge beschleunigen. Wir müssen nur aufmerksam und auch kreativ sein. Was ist wirklich wichtig? Und was ist eigentlich viel nebensächlicher?
Wir lernen einiges auch wieder neu zu schätzen, das uns sonst völlig selbstverständlich vorkam. Soziale Kontakte. Gerade die vielen Begegnungen vermisse ich am meisten. Telefon kann manches ersetzen. Aber eben auch nicht alles. Video-Konferenzen können viel Zeit sparen. Manche Termine sind plötzlich entbehrlich.
Wir sind herausgefordert mit der veränderten Situation klar zu kommen. Ideen zu entwickeln. Auf manches zu verzichten. Anderes zu pflegen.
Die letzten sehr ruhigen Jahrzehnte haben uns zur Annahme verleitet, dass es so immer weitergehen könnte. Wenn ich auf die Generationen vor uns schaue, dann wird schnell klar, dass das ein Irrtum ist. Veränderungen und Umwälzungen gab und gibt es immer. Wenn ich an die vielen Kriege, an Flucht und Vertreibung denke, dann sind unsere Einschränkungen überschaubar.
Bleiben Sie gesund und lassen Sie uns gemeinsam durchhalten! Und schauen, was kommt.

Ihr Burkard Zill

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