Zum Nachdenken

Jahreslosung 2017
Liebe Gemeinde,
vor uns liegt eine besondere Zeit, eine Zeit des Erinnerns. Am 31.10.1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen, in denen er den Ablasshandel des Papstes kritisierte. Papst Leo X benötigte Geld zum Bau des Petersdoms. Hierzu förderte er die Praxis des Ablasshandels. Nun war es möglich, sich einen guten Platz im Himmelreich zu reservieren. Wer viel gesündigt hat, konnte sich durch eine großzügige Geldzahlung „freikaufen“. Diese Praxis der Buße gefiel Martin Luther gar nicht. Ihm war bewusst, dass es unmöglich ist, als Christ ständig ein guter Mensch zu sein. Diese Erkenntnis machte Luther aber auch zu schaffen. Schließlich wollte er auch vor Gott gerecht werden und sich von Gott angenommen wissen. Aber sich diese Gewissheit durch Geld erkaufen zu müssen, das wollte Luther nicht für sich annehmen. Das war nicht sein Glauben. So studierte er die Bibel und gewann für sich neue Erkenntnisse. Im Römerbrief steht geschrieben, dass alle Menschen Sünder sind und Gott sich um sie kümmern wird. Dieser Satz beruhigte sicherlich Luther. Dennoch wollte er wissen, wie sich Gott um die sündigen Menschen kümmert? In Röm 3, 24 heißt es:
„Der Mensch wird ohne eigenen Verdienst vor Gott gerecht. Allein aus Gottes Gnade erfährt er die Erlösung, die durch Jesus Christus geschehen ist.“ Diese Gnade müssen wir Menschen einfach nur annehmen. Gott möchte nicht, dass die Sünde unser Herz verstocken lässt, dass wir handlungsunfähig werden. Gott schenkt uns ein neues Herz und legt einen neuen Geist in uns – so die Worte des Propheten Hesekiel. Dieses neue lebendige Herz, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes lässt den Menschen leben! Gott möchte nicht, dass zwischen uns ein unüberwindbares Tal liegt. Jesus Christus schließt dieses Tal und nimmt die Sünden der Menschen auf sich. Allein aus Glauben, dem Glauben an Gott, Jesus und dem Heiligen Geist, wird der Mensch vor Gott gerecht. Mit dieser Erkenntnis konnte Martin Luther gut leben und er wollte die Menschen mit seinen 95 Thesen wachrütteln. Sie sollten ihren Glauben an Gott überprüfen und das „neue Herz“ und den „neuen Geist“ in sich wirken lassen. Luther suchte das Gespräch und den Austausch über seine neu gewonnene Erkenntnis.

Ich glaube, dass auch nach 500 Jahren Thesenanschlag dieser Austausch unserer Gemeinschaft gut tut. Wer sich austauscht, bewegt sich im Herzen und im Handeln. Ich bin überzeugt, für unsere christliche Gemeinschaft kann das nur von Gewinn sein.

Ihr
Andreas Duhrmann