200 Jahre Freiwillige Union in Baumholder und im ehemaligen Kirchenkreis St. Wendel

200. Jahrestag der Unionsfeierlichkeiten der Reformierten und Lutheraner in Baumholder - vom 27. Februar bis 1. März 2020

Auch innerhalb der Reformation gab es zwei völlig zerstrittene Lager - die Reformierten und die Lutheraner. Dies zeigte sich in Baumholder bei vielen Streitigkeiten, z.B. als die Reformierten 1792 in der Evangelischen Kirche eine neue Orgel aufstellten. Die nach ihnen Gottesdienst feiernden Lutheraner dürften sie nicht benutzen! Im Februar 1820 wurden diese Streitigkeiten nachhaltig auf der Vereinigungssynode zu Baumholder für den damaligen Kirchenkreis St. Wendel beigelegt.

Die Erinnerung an diese, vor allem für die Bevölkerung wichtige Zusammenführung vor 200 Jahren, möchte die evangelische Kirchengemeinde Baumholder in der Kirche mit drei Veranstaltungen begehen.  

So wird am Donnerstag, dem 27. Februar um 19.00 Uhr Pfarrer Dr. Bernhard Bonkhoff, langjähriger Lehrbeauftragter für die pfälzische Kirchengeschichte an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz, einen Vortrag über die Geschichte der Union halten.

Am Samstag, dem 29. Februar 2020 findet um 18.00 Uhr ein

festliches Konzert mit der Kantorei des Kirchenkreises Obere Nahe statt.

Unter der Leitung von Kreiskantor Roland Lißmann und Begleitung von Thomas Layes an der Orgel und dem Klavier kommt ein wunderschönes Programm zu Gehör: John Rutters „Te Deum“, Otto Nicolais „Ein feste Burg ist unser Gott“, Ralph Vaughan Williams‘ „O clap your hands“. Mit „Nun danket alle Gott“ und „Gottes Geschöpfe kommt zu Hauf“ von John Rutter singen der Chor und die Gemeinde zusammen mit der Orgel Loblieder, wie sie auch damals bei dem Festgottesdienst der Vereinigung vor 200 Jahren gesungen wurden. Darüber hinaus erklingt von Chor und Orgel Musik aus dieser Zeit, wobei die Stumm-Orgel der evangelischen Kirche in Baumholder noch ein klingender Zeitzeuge ist.

Den Abschluß dieses Unionsjubiläum in der evangelischen Kirche in Baumholder bildet am Sonntag, dem 1. März um 10.15 Uhr ein Festgottesdienst mit geschichtlichen Szenen. Geleitet wird der Gottesdienst von Frau Superintendentin Jutta Walber und Pfarrer Burkhard Zill.

Die evangelische Kirchengemeinde lädt zu allen Veranstaltungen sehr herzlich ein. Der Eintritt ist frei.

Zum Nachdenken

Liebe Gemeinde,

auf der Straße begegne ich einem pensionierten Lehrer. Wir wechseln ein paar Worte. Ich frage natürlich, wie es im Ruhestand geht. Gut soweit. Bis dahin hätte ich die Begegnung längst wieder vergessen. Aber dann erzählt er noch etwas: “Ich werde jetzt sooft nach meinem Ruhestand gefragt. Gerade von ehemaligen Kollegen. Und alle beneiden mich. Warum? Ich bin fast 40 Jahre zur Arbeit gegangen. Und immer gerne.“

Zu Hause muss ich wieder an die Begegnung denken: Was haben wir für eine verquere Sicht auf unsere Arbeit? Wenn wir keine haben, dann geht es uns schlecht. Es fehlt eine Aufgabe. Und es fehlt an Geld. Wenn wir Arbeit haben, klagen wir über Überlastung, die vielen Veränderungen. Wir sehnen uns nach dem Ruhestand. Wir vergessen dabei, dass es keineswegs selbstverständlich ist arbeiten zu können und zu dürfen. Manchmal denke ich, dass es schon in der Schule anfängt. Ich beobachte Schüler, die sich morgens müde zur Schule schleppen. Wir nehmen vieles für viel zu selbstverständlich. Wir haben ein Luxusproblem.

Im Gleichnis vom Seemann streut ein Bauer Samen auf das Feld. Die Arbeit ist immer gleich. Mancher Samen geht nicht auf wegen der Dornen oder des Bodens. Aber anderer trägt 30, 60 oder 100-fach Frucht. Dabei fragt keiner den Bauern, ob er heute Lust hat zu säen. Es muss ganz einfach gemacht werden. Möglichst zur rechten Zeit und auf angemessene Weise. Sonst gibt es später ganz sicher nichts zu speisen. Er kann auch nicht völlig überblicken, welcher Samen viel später Ertrag bringen wird. So ist es doch oft mit unserer Arbeit: Was sich entwickelt und was erfolgreich ist sehen wir später. Ein Bauer muss auch langfristig denken und kann nur zu bestimmten Zeiten ernten. Und dann auch nur jeweils eine Fruchtart.

Ich würde mir längerfristiges Denken wünschen. Engagement ohne ständige Klage. Niemand arbeitet mehr so wie vor 10 oder 20 Jahren. In der Kirche genauso wie an anderen Orten. Und ich würde mir wünschen, dass wir unsere eigene Arbeit und die anderer Menschen wieder mehr zu schätzen wissen. Arbeit ist ein Gutteil unserer Lebenszeit.

Ihr Burkard Zill