Zum Nachdenken

Liebe Gemeinde,

 

„Alles hat seine Zeit,… weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ (Prediger 3, 4)

Liebe Gemeinde,

in letzter Zeit habe ich öfter die Klage gehört, dass immer weniger Menschen zu den Gottesdiensten kommen. Interessanterweise sowohl von „Kirchgängern“ als auch von „Nicht-Kirchgängern“. Das ist bedauerlich und natürlich zum Teil richtig. Aber eben nur zum Teil! Gleichzeitig beobachte ich nämlich, dass es eine ganze Reihe Gottesdienste gibt, die sehr gut besucht sind. Und die es früher gar nicht gegeben hat. So feiern wir seit einigen Jahren Kindergartenabschluss für alle Kinder, die in die Schule kommen. Die Kirche platzt aus allen Nähten. Nach den Ferien sehen wir sie dann zum Schulanfangsgottesdienst wieder! Oder die Osternacht liegt gar nicht lange zurück. Morgens um 6 Uhr, an einem Feiertag, ist die Kirche voll. Und anschließend wird gefrühstückt. Ich muss auch daran denken, dass ich im letzten Jahr zusätzlich 17 Taufgottesdienste gehalten habe. Nicht weil ich am Wochenende nichts mit meiner Zeit anzufangen weiß, sondern weil sich eine ganze Reihe von Eltern ausführlich mit dem Ablauf der Taufe beschäftigen und ihre Wünsche auch äußern und sich am Ablauf beteiligen. Es ist ihnen wichtig „richtig“ zu feiern.

Wir können jetzt darüber meckern, dass Taufen doch in den Gemeindegottesdienst gehörten. Oder von „Eventisierung“ reden. Aber das ist doch eine erfreuliche Entwicklung. Auch die Seniorenheimgottesdienste jeden 3. Freitag im Monat sind mit über 50 Personen ziemlich gut besucht. Dazu kommen Gottesdienste zum Altstadtfest. Oder auf dem Sportplatz. Zum Freundschaftsfest oder zu anderen Anlässen.

Das Bild ist also zweigeteilt: Regelmäßige Gottesdienste ohne besonderen Anlass werden schlecht besucht. Wir versuchen dem Rechnung zu tragen, indem wir diese Zahl reduzieren. Auch weil wir neben Baumholder und Ruschberg jetzt auch noch Reichenbach mit Frauenberg und Hammerstein dazu versorgen. Keine Sorge, wir planen nicht die Sonntagsgottesdienste abzuschaffen! Aber es ist wichtig mehr Zeit zu haben für die Feiern im Leben: Taufen, Feste, Übergänge. Diese sind nach wie vor gefragt. Manche sogar mehr als früher! Wir haben offenkundig wenig Rituale. Aber wir brauchen Rituale. Es sind angemessene Formen, um das Leben zu feiern. Geburt und Konfirmation, Hochzeit. Einschulung. Feste. „Um zu weinen und zu lachen.“ Denn Abschiede gehören auch dazu. Bei Beerdigungen auf dem Friedhof oder im Ruheforst wird Abschied genommen. Auch das ist not-wendig in angemessener Form. Und hier wird mehr gemacht als früher: Aussegnung und Trauergottesdienst, oft an einem Samstag. Und dann wird zusätzlich die Urne im kleinen Kreis eine Woche später beigesetzt. Auch oft am Wochenende. Damit tragen wir den veränderten Lebensumständen unter der Woche Rechnung. Und der Tatsache, dass inzwischen 80% der Beisetzungen auch bei uns Feuerbestattungen sind.

„Alles hat seine Zeit,… weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit, klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit.“ (Prediger 3, 4) Das tun wir in unseren Kirchen. Und wir können uns dabei Entwicklungen nicht verschließen. In diesem Sinne bin ich gespannt, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Und lade sie ausdrücklich ein Ihre Wünschen und Ideen einzubringen!

Herzlichst

                           Burkard Zill