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Zum Nachdenken

Liebe Gemeinde,

in dem Kinderbuch „Pu der Bär“ fragt der Titelheld: „Welchen Tag haben wir?“ „Es ist heute“, quiekte Ferkel. „Mein Lieblingstag!“ sagte Pu.

Könnten wir das auch sagen? „Heute ist mein Lieblingstag!“ Wir warten doch gerne auf besondere Gelegenheiten. Oder wir klagen über die Umstände, die gerade nicht ideal sind. Meine Erfahrung: Dann können wir lange warten. Denn ideal ist fast nie. Jetzt kommen noch die Einschränkungen wegen Corona dazu. Oder wie es eine Verkäuferin wörtlich zu mir sagte: „Das alles wegen die Corona!“ Der Witz dieser zwei Zeilen aus dem Kinderbuch bringt es auf den Punkt: Warum warten auf etwas Zukünftiges, wenn das Leben sich gerade abspielt. Es gibt nur das Heute.

Paulus sagt etwas Vergleichbares im 1. Korintherbrief 6,2: „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils.“ Er bezieht das auf ein Prophetenwort, dass vom zukünftigen Heil redet. Paulus geht weiter: Nein, jetzt! Nicht später.

Gerade in Zeiten, die wir vielmehr als Unheil erleben, mag das wie eine Provokation klingen. Wir werden damit auf unser Leben zurückgeworfen. Wir werden wieder an unseren Platz gestellt. Genau hier ist das Heil. Genau hier ist alles da, was entscheidend ist im Leben. Es fehlt nichts Grundlegendes. Ich glaube wir machen den Fehler, dass wir das zunächst immer auf unser Erleben beziehen, auf unsere

Gefühle und Befindlichkeiten. Die sind da. Und sie sind wichtig. Aber sie sind nicht alles. Wenn wir uns immer nur von unseren Wünschen und Ängsten leiten lassen, von unseren Vorlieben und Abneigungen, dann verpassen wir das Leben!

Wie sieht denn der Lieblingstag angesichts von Corona aus? Das ist für jeden natürlich anders. Aber ein paar Dinge fallen mir schon ein für die Menschen in unserer Gemeinde. Können wir realisieren, dass es auch große Vorteile hat auf dem Land zu leben? Ohne Schlangen im Supermarkt! Mit viel Platz und viel Wald. Können wir auch(!) die Zeit genießen, die uns vermehrt zur Verfügung steht? Können wir uns im Vertrauen üben, dass es schon weitergehen wird? Vielleicht anders? Können wir uns wieder auf die Sozialkontakte freuen, wenn wir sie wieder leben können? Können wir lernen, den Maßstab nicht zu verlieren? Können wir begreifen, dass Habgier nicht alles ist, sondern ein Gift? Können wir gegensteuern? Können wir vielleicht sogar jetzt für Ausgleich sorgen, so etwas wie ein Lastenausgleich, statt Geld auf Kosten unserer Kinder und Enkel zu verteilen.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. „Jetzt ist der Tag der Gnade!“ Wir haben es mit in der Hand, ob wir klagen oder was wir daraus machen!

In Verbundenheit!

 Ihr Burkard Zill

 

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