Baumholderer Seelbuch

Das Seelbuch über die Baumholderer Kirchengefälle

Im Jahr 2000 wurde in der historischen Festschrift zum 250jährigen Kirchen-baujubiläum das „Baumholder Seelbuch“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Damals war schon klar, dass es sich um ein uraltes Buch handelt. Der Klärungsbedarf, was den Inhalt und die Bedeutung der Texte anging, war jedoch noch sehr groß.

 

In den zurückliegenden Jahren gab es immer wieder Erkenntnisse, die etwas mehr von der Bedeutung dieses Buches für die Kirchengemeinde Baumholder aufzeigten. Die weitere Bearbeitung erforderte einigen Zeit- und Reiseaufwand. In Archiven und Bibliotheken mussten Informationen und Spuren gesucht werden und mit vielen freundlichen und fachkundigen Menschen wurden Grundsatz- und Einzelfragen besprochen.

Das Landesarchiv in Speyer fertigte für die Kirchengemeinde Baumholder Dias des gesamten Buches an. Seither konnte die Entzifferungsarbeit wesentlich effektiver fortgesetzt werden. Zugleich reifte die Idee, aus den Dias digitale Reproduktionen für die Kirchengemeinde, die Stadt und einige andere Stellen zu erstellen, damit diese Buch auch hier wieder eingesehen werden kann.

Immer wieder ergaben sich überraschende Einsichten bis schließlich eine eindeutige Bestimmung möglich war:

Das Baumholder Seelbuch ist ursprünglich das Messbuch der Baumholderer Kirche und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Damals gehörte Baumholder zum Grundbesitz der Kirche von Verdun und war als Lehen an die Grafen von Veldenz gegeben, die von der Burg Lichtenberg aus das Oberamt Lichtenberg verwalten ließen.

Das Messbuch beinhaltet Texte, Lieder, Handlungsanweisungen und einen Kalender, mit dem bestimmt werden konnte, an welchen Festtagen welche Messen zu halten waren. Das Buch selbst besteht aus Pergamentblättern, die zwischen lederbezogenen Holzdeckeln eingebunden sind. Da die Buchdruckkunst noch nicht erfunden war, ist es eine Handschrift, die der Kirche in Baumholder immer sehr wichtig war und gut aufbewahrt wurde.

Nach der eigentlichen Anfertigung wurden im Kalendarium nachträglich viele Eintragungen vorgenommen. Dabei handelt es sich überwiegend um Seelmess-stiftungen. Diese Schenkungen verpflichteten die Priester der Baumholderer Kirche, den Verstorbenen an bestimmten Festtagen im Kirchenjahr zu gedenken. In diesen Eintragungen stehen die Namen der Stifter, Gemarkungsnamen (die es heute noch gibt), die Art der Stiftung (in Geld, Frucht, Wachs etc.) und die Bestimmung, welcher Priester das Totengedenken durchzuführen hatte. Auch die Namen der verschiedenen Altäre in der Kirche wurden so überliefert.

Interessant sind auch die verschiedenen Schreibweisen des Ortsnamens, die authentisch wiedergeben, wie in Baumholder selbst der Name geschrieben wurde.

Von Bedeutung ist ein Eintrag, in dem die damaligen Zins- und Zehntherren in der Pfarrei mit ihren Anteil an der Kirchenbaulast verzeichnet sind. Noch beim Neubau des Kirchenschiffes 1748-50 wurde auf diese Regelung zurückgegriffen.

Auch im Kirchenweistum von 1533 wurden solche Bestimmungen niedergeschrieben.

Mit der Reformation verlor das alte Messbuch seine Bedeutung für den Gottesdienst, blieb aber eine wichtige Quelle zum Besitz der Kirchengemeinde und der Rechte und Pflichten zum Kirchenbau. Die Regierung in Zweibrücken regelte die Verwaltung der Kirchengemeinden neu. In diesem Zusammenhang geriet das alte Messbuch in die Registratur nach Zweibrücken, wo es auch mit dem neuen Namen „Baumholder Seelbuch“ versehen wurde.

Zweibrücken blieb nicht der letzte Aufbewahrungsort. Als französische Truppen ab 1792 auch das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken besetzten, brachten Archivare umfangreiche Bestände an Akten und Urkunden in rechtsrheinische Städte in Sicherheit. Im Kreisarchiv Speyer, dem heutigen Landesarchiv Speyer, wurden zwischen 1817 und 1937 die heutigen Bestände zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken wieder zusammengeführt. Auf diesem Wege fand auch das „Baumholder Seelbuch“ zu seinem jetzigen Aufbewahrungsort.

Neben der Beschreibung und der Geschichte dieses uralten Buches wurde auch der Kontext der Kirchen- und Stadtgeschichte beschrieben. Einige der Seelmessstiftungen wurden in die heutige Schrift übertragen. Bei der Auswertung wurden alle Eintragungen auf örtlich interessante Informationen untersucht. Die Ergebnisse ermöglichen auch Einblicke in die damalige Lebenswelt und kirchliche Gebräuche.

Mit Erlaubnis des Landesarchivs Speyer wurden 30 Exemplare des alten Messbuches reproduziert und mit den Forschungsergebnissen und Erklärungen zu den liturgischen Texten in einem Buch veröffentlicht.

     Der Verein für Heimatkunde im Landkreis Birkenfeld beabsichtigt zum Jahresende eine Teilveröffentlichung im Rahmen der Mitteilungen des Vereins.

Bereits heute kann das Buch samt Reproduktion bei der Kirchengemeinde Baumholder, der Stadtverwaltung Baumholder und in der Bibliothek des Vereins für Heimatkunde in Birkenfeld eingesehen werden.

 

Klaus Böhmer