Kirche in Baumholder

KirchebhsDie Kirche ist ein einschiffiger Kirchenbau mit zwei Eingängen und einem spätgotischen, ca. 40 m hohen Turm, der von vier massiven Strebepfeilern gestützt wird. Eine im Jahre 2003 von der Universität Köln vorgenommene naturwissenschaftliche Datierung entsprechender Proben bewies, dass bereits um das Jahr 920 n.Chr. an dieser Stelle Beerdigungen stattgefunden hatten. Christliche Bestattungen in dieser Zeit setzen jedoch eine Kirche mit einem entsprechenden Bestattungsrecht voraus. Erste urkundliche Erwähnungen der Pfarrei Baumholder und der Kirche finden sich erst ab dem Jahre 1300 in Urkunden aus der Zeit der Grafschaft Veldenz.

Der Kirchturm ist der heute noch erhaltene Rest jenes Kirchenbaues, der auf der Begräbnisstätte ausgeführt wurde. Die Erbauung des Turmes wird auf das Jahr 1235 geschätzt. Die vier massiven Strebepfeiler am Turm wurden nachträglich aufgemauert, vermutlich Anfang des 17. Jahrhunderts, da in einem Quader an der Südseite die Jahreszahl 1629 eingemeißelt wurde. Zwei der drei Kirchenglocken sind sehr alt. Die kleinere wurde auf die Zeit um 1340 datiert, die größere stammt aus dem Jahre 1499. Die dritte Glocke wurde 1953 ergänzt.

Das Kirchengebäude überstand den 30jährigen Krieg und die Reunionskriege, in denen das Gebäude allerdings arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Anfang des 18. Jahrhunderts fanden noch größere Reparaturen an der Kirche statt. Danach wird nur noch über Verfall und Baufälligkeit berichtet. In der Regierungszeit Herzog Christian IV., in den Jahren 1748-1750, fand der unerträgliche Zustand ein Ende. Das alte Kirchenschiff wurde abgebrochen und völlig neu erbaut. Dabei wurde der Chor baulich integriert und das Kirchenschiff deutlich höher ausgeführt. Durch den Einbau von Emporen wurde mehr Raum für die stark gewachsene Gemeinde geschaffen. Die Aufstockung ermöglichte zugleich die Nutzung des Speicherraumes als Fruchtspeicher für die Kirchenschaffnei in Kusel. Aus statischen Gründen wurde die Dachkonstruktion durch zehn starke hölzerne Säulen im Innenraum der Kirche unterstützt. Da der Turm bei dieser Baumaßnahme unverändert blieb, entstanden damit auch die heute noch sichtbaren äußeren Proportionen der Kirche.

EmporeBhDie umfangreichen Baumaßnahmen von 1956/57 gaben dem Kirchenraum ein ganz anderes, modernes Gesicht. Die mächtigen Holzsäulen wurden völlig entfernt, ebenso die alte Kanzel. Auch die Empore wurde entfernt und nur an der Rückwand zum Turm in schlichter Ausführung ersetzt. Das Aussehen der Orgel wurde modernisiert. Im Chor befinden sich seither Altar, Kanzel und Taufstein.

1985 wurde dem nüchternen Erscheinungsbild der Kirche mit der Entscheidung für eine künstlerische Fenstergestaltung ein Gegengewicht gesetzt. Die von Diether F. Domes entworfenen Fenster wurden von den Glas-Kunststätten Kaschenbach in Trier gefertigt. Die zentralen Motive Geburt, Tod und Auferstehung finden sich seither in den Fenstern des Chors. Auch mit dem Einbau einer 170 Jahre alten Stumm-Orgel und einer ansprechenden Neugestaltung der Empore ist im Jahre 2003 viel an Atmosphäre zurückgewonnen worden.