Wanderung Übungsplatz vom 18.04.2015

Die mittlerweile 12. Wanderung (inkl. der Veranstaltung "Nahe Hit – wander mit" im Jahr 2012 ist es die 13.) über den Truppenübungsplatz fand am Samstag, den 18. April 2015 statt.
85 Wanderfreudige starteten um 07:30 Uhr an ''Edingers Mühle''.
Nachdem die Formalitäten erledigt waren, ging es los.
Die Tour führte dieses Mal über die geräumten westlichen Ortschaften des Übungsplatzes. Über das Hahlkreuz wanderte man nach Aulenbach. Von dort genoss man den Blick auf Reichenbach.
Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass am Kirchturm Reichenbach lediglich an drei Seiten eine Uhr angebracht ist. Die nach Richtung Aulenbach weisende Seite des Kirchturms verfügt über keine Uhr, weil Aulenbach nicht bereit war, die von Reichenbach geforderte Kostenerstattung für die "Mitnutzung" der Uhr zu zahlen. ("Eine amüsante Geschichte ist von der Kirchturmuhr zu berichten. Im August 1863 beschloss der Gemeinderat den Kauf einer neuen Kirchenuhr. Der bekannte Uhrmacher Peter Peters aus Welschbillig erhielt den Auftrag. Drei große Gewichte trieben das Räderwerk an, das jeden dritten Tag aufgezogen werden musste. Ein mechanischer Hammerschlag am Wulstrand der großen Glocke lässt die volle Stundenzahl, an der kleinsten Glocke den Viertelstundenschlag ertönen. Die drei am Turm montierten Zifferblätter schauen nach Nordosten in Richtung Ausweiler, nach Nordwesten in Richtung Kronweiler und nach Südwesten in Richtung Heimbach. Das vierte Zifferblatt in Richtung Aulenbach fehlt, nur das Rundloch für den Zeiger ist vorhanden. Aulenbach hatte damals kategorisch abgelehnt, sich an den Kosten des Uhreneinbaus zu beteiligen, was zur Folge hatte, dass kein viertes Zifferblatt eingebaut wurde und von Aulenbach aus die Uhrzeit nicht abzulesen war".)
Weiter ging es über Ausweiler zur Villa Rustica. Dann durch die Winterhauch zum Erbenwald. Auf dem höchsten Bergrücken des Geländes liegen auf über 600 m ü. NN keltische Grabhügel.
Vorbei am Kaiserbrunnen führte der Weg nach Frohnhausen. Da Breungenborn aus Distanzgründen ausgelassen wurde, ging es weiter über die Wüstung Mambächel und unterhalb des Steinbruches Ronnenberg zurück zur ''Edingers Mühle''.
Für die Unerschrockenen, die nicht die Möglichkeit nutzten, nach ca. 12, 20 und 28 km in den Bus zu steigen, bedeutete das an diesem Tag rund 35 km und 1.040 Höhenmeter (barometrische Messung am Navigationsgerät, Ermittlung auf Grundlage von Kartenmaterial evtl. abweichend).

Durch dichte Wälder und offene Heideflächen, aber teilweise auch über breite Panzerstraßen führte die Strecke. Selten waren hingegen Querfeldeinstrecken, denn durch die jahrzehntelange Nutzung für Artillerieübungen verbirgt sich so manch gefährlicher Blindgänger im Boden.
Tiefe Spuren haben die Panzer an einigen Stellen hinterlassen, so wird trotz aller Idylle immer wieder deutlich, welches die Funktion des Platzes ist.
Überall tauchen die Zeichen militärischer Nutzung im Gelände auf, so führte die Strecke auch durch Kulissendörfer, in denen für Straßenkämpfe geübt wird.
Wenig ist von den früheren Siedlungen übrig geblieben, an vielen Stellen wird den Prozessen der Natur einfach freier Lauf gelassen.
Bestens organisiert war die Tour von Pfarrer Burkard Zill, der schon seit vielen Jahren Wanderungen über den Truppenübungsplatz anbietet und der als exzellenter Kenner des ausgedehnten Geländes und seiner mehr als 75jährigen Geschichte über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt ist, sowie den Helfern von der Bundeswehr, die darauf achteten, dass niemand auf dem Platz zurückblieb und die mit einem "Kehrwagen" den Abschluss des Zuges bildeten.
Für die gelungene Wanderung nochmals herzlichen Dank an alle an der Planung beteiligten Personen sowie der Westrich Reisen GmbH.
Es war eine gute Möglichkeit, einen Blick in diesen sonst unzugänglichen Landstrich zu werfen.

Beim Truppenübungsplatz Baumholder handelt es sich um militärisches SPERRGEBIET.
Die Wanderung war an diesem Tag nur mit Sondergenehmigung und in Begleitung autorisierter Personen möglich!!!

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Informationen zum Truppenübungsplatz:
Der Truppenübungsplatz Baumholder gehört mit einer Fläche von 11.900 Hektar zu den größten Übungsplätzen in der Bundeswehr. Kennzeichnend ist ein stark durchschnittenes Gelände mit zum Teil ausgesetzten Steilhängen.
Mit der Aufnahmekapazität von bis zu zehn Kompanien täglich werden auf den großen Flächen vielseitige Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten angeboten.
Auf ihm ist der Einsatz von Bordkanonen, Bordmaschinenkanonen, Panzerabwehrhandwaffen, Panzerabwehrlenkflugkörpern, Handwaffen, Artillerie, Mörser, Unmanned Aerial Vehicles sowie Luft-Boden-Schießen vorgesehen.
Die Schießanlagen bieten das Schießen mit Bordkanonen (bis 120 mm), mit Granatpistolen und Granatmaschinenwaffen (40 mm), mit Panzerabwehrhandwaffen und -lenkflugkörpern und selbstverständlich mit aller Art von Handwaffen.
Für das Schießen der Artillerie und der Mörser sind entsprechende Feuerstellungsräume und -stellungen für Mörser (bis 120 mm), für Rohrartillerie (bis 155 mm), für Raketenartillerie MARS (Mittleres Artillerie Raketensystem bis 298 mm)
allerdings nur mit Übungsmunition und verkürzter Reichweite gegeben. Dank der großen Fläche des Truppenübungsplatzes bietet sich die Möglichkeit auf eine Entfernung von 11.000 bis 15.000 Meter zu schießen.
Hauptsächlich wird der Übungsplatz durch die Artillerieschule aus Idar-Oberstein genutzt. Aber auch die US -Einheiten der First Armored Division und Einheiten aus der näheren Umgebung Baumholders nutzen das Übungsgelände zum Üben und Schießen.
Geschichte des Truppenübungsplatzes:
Der Truppenübungsplatz wurde für das XII. Armeekorps der Wehrmacht angelegt, dessen Generalkommando seinen Sitz in Wiesbaden hatte. Mit der Anlage wurde 1937 begonnen.
Für den Platz wurden Gemeinden und Weiler mit 3.970 Einwohnern geräumt und zu Wüstungen. Es waren Aulenbach, Ausweiler, Breungenborn, Ehlenbach, Erzweiler, Frohnhausen, Grünbach, Ilgesheim, Kefersheim, Mambächel, Oberjeckenbach, Ronnenberg, Zaubach, Wickenhof und Wieselbach.
Die Infanterieregimenter 105 und 70 hielten im April 1937 die ersten Übungen ab.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Kriegsgefangene Angehörige der Roten Armee, die vom Stammlager 326 VI K in Nordrhein-Westfalen nach Baumholder gebracht worden waren, in Arbeitskommandos auf dem Truppenübungsplatz eingesetzt.
Im Spätsommer 1941 waren es etwa 450.
Ab dem 17. Dezember 1943 wurden die Bataillone der Strafdivision 999 nur noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder aufgestellt.
Im Herbst 1944 wurde die Gebäude des Truppenübungsplatzes bombardiert. Dabei wurden Kasernen- und Wirtschaftsgebäude sowie das Theater beschädigt.
1945 nahm die United States Army den Truppenübungsplatz ein. Sie übergab ihn im August 1945 an das Französische Heer, das ihn bis 1960 führte. Die 2. US-Panzerdivision nutzte den Platz ab 1951/1952.
Deutsche Soldaten übten ab 1956 nach der Gründung der Bundeswehr wieder auf dem Truppenübungsplatz. Sie übernahm ihn 1960 in ihre Zuständigkeit.
2003 wurde ein neues Nutzungskonzept entwickelt und die Zahl der Schießanlagen seither reduziert. Die Anlage verfügt über 26 Schießbahnen, sechs Sprengplätze, Handgranatenwurfstände, eine ABC-Übungsbahn, einen Pionierübungsplatz und weitere militärische Einrichtungen. 5400 Hektar sind Freifläche und 6200 Hektar Forstbetriebsfläche.
Mit dem Baumholder Army Airfield verfügt der Truppenübungsplatz über einen eigenen Flugplatz.
Auf Grund der Luftraumstruktur ist der TrÜbPl Baumholder derzeit in Deutschland der einzige, der taktische Luft-Boden-Einsätze der Luftwaffe mit Übungs- und Gefechtsmunition aus mittleren und großen Höhen erlaubt.
Flora und Fauna des Truppenübungsplatzes:
Auf dem Truppenübungsplatz leben 104 Vogelarten, darunter Schwarzstörche, Heidelerchen und Raubwürger. Mehr als 80 Tagfalter wurden nachgewiesen.
Auch Populationen von Luchsen und Wildkatzen finden sich. Von 721 Farn- und Blütenpflanzen stehen 27 auf der deutschen Roten Liste gefährdeter Arten.
Der Truppenübungsplatz ist geschützt nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Vogelschutzgebiet.