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Zum Nachdenken

Im Johannesevangelium 17, 22 sagt Jesus:
„Ich habe ihm die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie alle eins seien, wie wir eins sind!“

Liebe Gemeinde,

nein – Jesus spricht hier natürlich nicht von der Zusammenlegung der Gemeinden. Er hält viel mehr seine Abschiedsrede. Und betet dabei für die Einheit der Menschen. Als ob er geahnt hätte, was an unseligen Streitereien in der Geschichte der Christenheit folgen wird. Er kennt die Neigung von Menschen sich gerne zu streiten. Er weiß um den fatalen Hang zur Macht, um Einfluss, um Gewinn. Interessanterweise appelliert Jesus keineswegs an Menschen: „Streitet nicht, seid einig!“ Das wäre auch wenig erfolgsversprechend. Er redet die Menschen gar nicht an. Stattdessen betet er zu Gott.

Hier findet sich ein wichtiger Hinweis. Fehlende Einheit ist für ihn offenkundig kein moralisches Problem. Es ist schlicht Mangel an Erkenntnis. Es zeigt die fehlende Einsicht. Wer die Herrlichkeit gesehen hat. Wörtlich den Lichtglanz. Wer die Schönheit der Welt sieht. Wer seine Augen und Herzen aufmacht. Der wird angemessen handeln. Der weiß, dass Menschen immer mehr verbindet als trennt. Über alle Völker, Sprachen, Kulturen, Religionen und Konfessionen hinweg sind Menschen miteinander verbunden. Unterschiede sind da und bleiben bestehen. Es gibt unterschiedliche Interessen und Blickwinkel, aber das kann auch Reichtum und Vielfalt des Lebens bedeuten. Wenn diese Einsicht und die Herrlichkeit und Verbundenheit besteht.

Sie erhalten hier den ersten gemeinsamen Gemeindebrief, der drei Ev. Kirchengemeinden Baumholder, Berschweiler und Reichenbach (in alphabetischer Reihenfolge) in Händen. Es ist ein Schritt auf dem Weg zur Vereinigung, die wir zum Jahresende vollziehen wollen. Natürlich bringt das Veränderungen mit sich, so wie sich das Leben ständig verändert. Vielleicht sind damit auch Befürchtungen verbunden. Nein, diese Zeilen aus dem Johannesevangelium sind nicht zur Zusammenlegung von Gemeinden gesagt. Aber sie mögen uns Mut machen. Einheit beginnt mit dem Schauen der Herrlichkeit, sagt Jesus im Johannesevangelium. Es beginnt mit dem gegenseitigen Wahrnehmen und Würdigen. Mit respektvollem Umgang. Bei aller Diskussion und allen Interessenkonflikten. Was ich bisher erleben, stimmt mich hoffnungsvoll. Es ist ein gutes Miteinander. Es ist an uns, das Verbindende zu sehen, statt nur auf Trennendes zu starren.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen alles Gute für das Jahr 2022! In den Veränderungen, die dieses Jahr mit sich bringt – in Kirche, Gesellschaft und im Privaten!

Ihr Burkard Zill

 

 

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